Was muß ich für einen guten Whisky anlegen?

Geschrieben von am 4. März 2010 | Abgelegt unter FAQs

Am Anfang steht die Frage, wie man “guten Whisky” definieren möchte. Dieses muß sicherlich jeder für sich selbst entscheiden. Speziell bei einem Getränk, daß beim Discounter ab 6,90 € und im Spirituosenfachhandel für bis zu 3.000 € pro Flasche zu bekommen ist, fällt dieses nicht leicht; Raritäten, die sich auf Auktionen für bis zu 21.000 £ ersteigern lassen, verkomplizieren die Angelegenheit für den Großteil der Whiskyliebhaber nur unwesentlich. Die Wahl des gewünschten Whisky-Stils, man unterscheidet Blend, Malt, Pot Still und Straight aus unterschiedlichen Herkunftsländern und -regionen, ist da eher von entscheidender Bedeutung, da sich neben den offensichtlichen Geschmacksunterschieden die unterschiedliche Herstellungsart auf den Preis auswirkt.

Man sollte sich also fragen: “Was ist mir der Genuß eines guten Whiskys wert?”, “Was erwarte ich von ihm, was muß er können?” und, falls die ins Auge gefaßte Preisklasse das gewünschte Geschmackserlebnis nicht erbringen kann: “Bin ich bereit, mein Budget zu erhöhen oder reduziere ich meine Ansprüche bzw. nehme ich gänzlich Abstand vom Genuß?” Der EWZ kann Ihnen die verschiedenen Preisklassen und Geschmacksrichtungen näher bringen, für welche Sie sich entscheiden, liegt bei Ihnen.

Single Malt Scotch
Wir empfehlen für Single Malt Scotch die Preisklasse von € 50,- bis 80,- als diejenige mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis, besonders im Segment der Originalabfüllungen. Aber auch die Unabhängigen wie Cadenhead’s oder Gordon & MacPhail sowie die Reihen Mission Gold von Murray McDavid und The Old Malt Cask von Douglas Laing haben in dieser Preisklasse eine Menge zu offerieren, und das nicht nur bezogen auf die Tatsache, daß sie Whisky aus nahezu allen Brennereien Schottlands anbieten können. Jedoch sollte man sich im Fall der Einzelfaßabfüllungen ihres individuellen und meist vom bekannten Hausstil der Brennerei abweichenden Charakters bewußt sein. Jedenfalls werden die Fässer für die Whiskies dieser Preisklasse sorgfältig aus den besten der Lagerhäuser ausgewählt, während zur Komposition der günstigeren Einstiegs-Malts alle anderen, also auch nicht so gut gelungene Verwendung finden. Die Malts über € 80 sind oftmals nicht besser und nur deshalb teurer als die anderen, weil es sich um limitierte Auflagen oder Raritäten hohen Alters handelt, das ab 25 Jahren offenbar zu einem exponentiell steigenden Preis der Einzelflasche führt. Aber selbst ab 35 Euro läßt sich bereits schöner Malt beziehen. Der unabhängige Abfüller Murray McDavid weiß mit seinen in unterschiedlichen Weinfässern gelagerten Vintages zu überzeugen, Signatory’s unchillfiltered Collection liefert seit vielen Jahren konsistente Qualität. Schon im Segment ab € 25 kann man bei den Unabhängigen, z.B. unter Douglas Laing’s Label The McGibbon’s Provenance, gut Trinkbares finden. Man sollte allerdings das Etikett der Flaschen zu lesen und zu interpetieren wissen. Doch auch dieses schützt nicht vor der Gefahr, in dieser Preisklasse auf den ein oder anderen nicht so schönen Malt stoßen zu können.

Blended Scotch
Der Grain-Anteil im Blended Scotch sorgt für einen gegenüber dem Single Malt günstigeren Preis sowie ein leichteres, geschliffeneres Geschmackserlebnis. Es mag ihm vielleicht an Individualität und der intensiven Brachialgewalt fehlen, mit denen einige Malts daher kommen, gleichwohl lassen sich ab € 30 durchaus trinkbare Blends finden, die mit zunehmender Reife auch einen Preis jenseits der 50,- und in den wenigen Fällen einiger Luxusgüter selbst dreistellige Preise erreichen können. Ob diese im Preis-Leistungs-Verhältnis gegen vergleichbare Malts bestehen können oder ob es nicht zu günstigeren Konditionen schönere Malts gibt, muß jeder anhand seines eigenen Geschmacks für sich entscheiden.

Irish Whiskey
Die Preise für irischen Whiskey haben sich mittlerweile denen für schottischen angeglichen. Erstaunlicherweise unterscheidet sich der Preis für einen irischen Single Malt bzw. Pure Pot Still kaum von dem eines qualitativ ähnlichen Blends. In beiden Fällen sollten Sie etwa € 30 bis 45 € für die gut trinkbare 12 bis 16 Jahre alte Ware anlegen. Natürlich bekommen Sie einfache, aber wenig erfreuliche Standardware auch schon für um die € 20 bis 25, aber da empfiehlt sich dann doch eher der Griff zum Bourbon. In die Top-Kategorie der lange gereiften Whiskies steigen Sie mit € 70 für einen 18-jährigen Jameson Blended Irish ein, der damit 20,- teurer ist als ein vergleichbarer Schotte und immerhin noch 10,- bis 15,- über manch schottischem Malt gleichen Alters rangiert. Sobald Sie aus Irland etwas mehr als besseren Standard erwarten, können Sie sich von Ihrer mit Hilfe schottischer Produkte etablierten Preisvorstellung von 35,- bis 65,- € verabschieden.

Bourbon, Tennessee, Rye, Corn, Blended American
US-amerikanischer Whiskey ist nach wie vor deutlich günstiger als schottischer oder irischer. Dieses liegt nicht etwa an minderer Qualität des Produkts, sondern vor allem an seiner schnelleren Reifezeit. Lagert schottischer Whisky meist zwölf Jahre und länger in gleichbleibend kühlem, gemäßigten Klima, so brauchen Bourbon, Tennessee, Rye und Corn in den heißen Sommern des amerikanischen Südens mit den großen Temperaturunterschieden zum Winter nur halb so lange, um Trinkreife zu erreichen. Die Dauben der frischen, meist kräftig ausgekohlten und nur einmalig verwendeten Fässer dehnen sich durch die Temperaturschwankungen aus und geben dem New Make die Möglichkeit, tief ins Holz einzudringen, um sich die konzentrierten Aromen herauszusaugen. Der aus einer Maische mit einem Maisanteil von über 80% destillierte und in wiederverwendeten Fässern gelagerte Straight Corn Whiskey stellt, abgesehen vom Blended American Whiskey, der kaum eine Rolle spielt, die preiswerteste Kategorie auf dem US-Markt dar. Allerdings wird er heutzutage kaum noch vermarktet, sondern wandert vermutlich hauptsächlich als schwarzgebrannter Moonshine aus Einmachgläsern direkt in die durstigen Kehlen. Den Löwenanteil des Marktes nimmt Bourbon ein, Tennessee und Rye stehen ihm indes qualitativ in nichts nach. Schon die Standardware für € 20 ist durchaus trinkbar. Es lohnt sich aber zehn Euro mehr zu investieren, denn bereits für 30,- bis maximal 50,-  erhalten Sie wirklich guten Bourbon. Sie können zwar auch dreistellige Beträge anlegen, aber notwendig ist dieses zum Erlangen eines hohen Trinkgenusses nicht, es steigert vor allem das Exklusivitätsgefühl. Diese Kategorie wurde erst vor Kurzem als Konkurrenz zu den in den USA beliebten hochpreisigen schottischen Single Malts etabliert, um dem nordamerikanischen Whiskey zu einem glamouröseren Image zu verhelfen und ihn aus den Western-Saloons und verrauchten, von Privatdetektiven frequentierten Bars heraus zu holen.

Canadian Whisky
Kanadischer Whisky gilt als der preiswerteste Whisky, handelt es sich doch selbst bei den gelegentlich als “Rye” bezeichneten Produkten meist um Blends und nicht um Straight Rye in US-amerikanischem Sinn. Kanadischer Blend enthält kaum mehr als 5% Malt, der Rest ist preisgünstiger Grain, abgesehen von den knapp 10% “flavourings”, die einer Flasche in Form von Bourbon, fortifizierten Weinen wie Sherry, Port und Madeira oder Pflaumenwein etc. zur geschmacklichen Verfeinerung zugesetzt werden dürfen. Dementsprechend sind die Produkte bei einem Preis von oftmals € 20 bis 30 für die Literflasche recht günstig. Allerdings stellen die Kanadier neuerdings mit dem Single Malt Glen Breton oder den am Straight Rye nach US-Vorbild orientierten Produkten von Gooderham & Worts hochwertigen Whisky her, der mit etwa 50,- bis 60,- allerdings auch seinen Preis hat.

Japanischer Whisky
Japanischer Whisky ist zumindest in Deutschland vergleichsweise teuer. Selbst ein junger Malt ist kaum unter 50 Euro erhältlich, die gut trinkbare Ware kostet ab 80,- aufwärts und kann für einen Vintage von Karuizawa schnell dreistellige Summen erreichen, bedingt durch die hohen Arbeitskosten in Japan und die nur geringen Mengen, die nach Europa fließen. Hauptabsatzmarkt für japanischen Whisky bleibt Asien, so daß nur wenig über direkte Vertriebswege zu uns findet, so daß sich die hohen Importkosten auf den Preis der einzelnen Flasche auswirken. Japanischer Blend ohne Altersangabe ist in der Halbliterflasche für etwa € 25,- bis 35 zu haben, mit Age Statement zahlt man wie für einen Malt je nach Alter von 50,- über 80,- bis zu über 100 Euro, gleichwohl bleiben die stets sehr esterbetonten japanischen Whiskies, die in ihrer Heimat meist als Longdrink genossen werden, für den puren Genuß gewöhnungsbedürftig; als Zusatz zu gefärbter Limonade lassen sich indes preiswertere Spirituosen finden.

Europäischer Whisky
Die in europäischen Ländern wie Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, England, Wales, Tschechien, Rußland, Schweden oder Finnland erzeugten Malts sind aufgrund ihrer kleinen Produktionsmenge nicht ganz billig, zeichnen sich aber trotz ihres teils jungen Alters von häufig nur drei bis sechs Jahren in der Regel durch sorgfältige Verarbeitung der Rohstoffe und somit eine hohe handwerkliche Qualität aus. Die kurze Reifezeit erklärt sich daraus, daß anders als in Schottland auch frische Fässer zur Lagerung verwendet werden dürfen, die wesentlich mehr Aromen in kürzerer Zeit abgeben. Die Preise reichen von etwa 30,- bis über 60,- Euro, die Qualität der meist als Single Malt hergestellten Whiskies ist hoch genug, um ihnen eine Chance zu geben.

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